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Die Würde des Menschen ist angetastet

30. August 2015
 VON DER WÜRDE DES MENSCHEN
„Vergesst uns nicht, erzählt es weiter“ –
Die letzten Zeugen
„Überleben ist ein Privileg, das verpflichtet.“

Sechs Zeugen, Überlebende des Holocaust, stehen auf der Bühne des Burgtheaters und im richtigen Leben – ein Blick in die Vergangenheit und ein Versuch, das Heute zu verstehen.Es ist ein bedrückender und beeindruckender Theaterabend. Am Wiener Burgtheater erzählen und berichten Überlebende des Holocaust ihre ganz persönlichen Geschichten. Sie erzählen von Panik, Verzweiflung, Angst und Gewalt, von Zufall und Glück, von Zivilcourage und Niedertracht, aber auch von einem unbändigen Überlebenswillen.„Überleben“, sagen sie, „ist ein Privileg, das verpflichtet.“

Es ist ein ganz besonderer Abend, der zum Nachdenken auffordert, ein Abend ohne Sentimentalitäten, ohne Rache und ohne Belehrung und vielleicht gerade deshalb so stark.

Was kann Theater und was kann die Stimme des Einzelnen bewirken, wieso ist man von diesem Theaterabend so ergriffen und was macht den Erfolg aus. All das gilt es zu hinterfragen. Die letzten Zeugen, noch sprechen sie, was aber passiert, wenn es sie nicht mehr gibt.

Es ist ein Blick in die Vergangenheit, aber auch der Versuch das Heute zu verstehen.

Rudolf Gelbard* erlebt die Befreiung des Konzentrationslagers Theresienstadt, muss aber nach seiner Rückkehr nach Wien erkennen, dass die Ideen des Nationalsozialismus in Österreich nicht über Nacht verschwunden sind.

DIE WAHRHEIT ABER IST SCHLIMMER

Durch die Aneignung eines Opferstatus für alle Österreicher wurden die österreichischen Juden gleich zweifach die „ersten Opfer der ersten Opfer“: einmal zwischen 1938 und 1945 und dann wiederum in der Nachkriegszeit.

So endet diese Dokumentation – und ist auch für Deutschland gültig:  http://www.demokratiezentrum.org/fileadmin/media/pdf/albrich.pdf 

Auch in Deutschland gibt es Tendenzen eine Mitverantwortung für Verbrechen der Nationalsozialisten eher zu leugnen und sich selbst als Opfer des Nationalsozialismus zu sehen. Nach meiner Erfahrung haben die Jungmädchen-Führerinnen und Veteranen der Wehrmacht ihre Jugendzeit mit zunehmendem Alter mehr und mehr glorifiziert. Von Reue oder gar Bekenntnissen, von Mitschuld und Täterschaft – i.d.R. – keine Spur. Leider. Und heute?

DIE WÜRDE DES EINZELNEN MENSCHEN IST ANGETASTET

Bundeskanzlerin Merkel, Berlin – am 25.8.2015 –

Kanzlerin Angela Merkel sagte nach ihrem Besuch in Heidenau: „Die menschliche und würdige Behandlung jedes Einzelnen, der zu uns komme, sei Teil unseres Selbstverständnisses, sei das, was Deutschland ausmache“.

Ich begrüße den Aufruf unserer Kanzlerin, die Menschenwürde gegenüber allen Menschen zu achten. Aber, dieser Aufruf muss an alle Menschen gerichtet werden, insbesondere an unsere Politiker und die Staatsbediensteten. Der Aufruf muss aber auch jeden Einzelnen vor Menschenrechtsverletzungen schützen, egal ob diese durch Privatpersonen begangen werden oder durch den Staat selbst.

Die Würde einzelner Menschen oder Gruppierungen, seien es Flüchtlinge, Asylsuchende, Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger, Armutsrentner und andere Randgruppen sind eben leider nicht “Teil unseres Selbstverständnisses“. Für einige Gruppierungen werden ständig neue, gemeinere „Sonder-Richtlinien“, Verordnungen oder Gesetze „beschlossen“, die bewusst gegen Menschenwürde und Grundgesetze verstossen. 

Wie unmenschliche Gemeinheiten einzelner Personen gegen Fremde oder Andersdenkende zu einem Unrechtsstaat führen, daran haben uns „Die letzten Zeugen“ im Burgtheater erinnert. Dafür danke und ein Versprechen: 

„Wir vergessen euch nicht,wir erzählen es weiter“.

Und wir werden uns – gegen das „wieder salonfähige“ Ausgrenzen von Minderheiten und Einzelnen – für die Betroffenen in Deutschland und gegen das Unrecht in der Welt einsetzen. 

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From → Politik

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